Einen Wassermacher im Kärcher-System mit ca. 100 l/h Süsswasserleistung zu bauen ist eine verlockende Idee.

Man bräuchte nur eine zweite Membraneinheit einbinden, die mit dem "Abwasser" der ersten Membraneinheit gespeist wird, also "in Reihe" aufgebaut, und könnte so die Süsswasserproduktion verdoppeln.

 

Geht das wirklich so einfach ?

 

Nicht ganz...

 

Zunächst einmal ist das "Abwasser" der ersten Membraneinheit salziger als das Meerwasser, mit der diese erste Membraneinheit gespeist wurde.

Schliesslich wurde diesem "Zuwasser" einiges an Süsswasser entnommen, das verbliebene "Abwasser" ist also "angereichertes" Meerwasser.

Somit kann die zweite Membran nicht so effektiv arbeiten, wie die erste Membran.

Weiterhin hat sich die Menge Wasser um die Menge reduziert, die als Süsswasser in der ersten Membraneinheit produziert wurde.

 

Hierzu ein kleines Rechenbeispiel.

Der Kärcher läuft auf maximaler Drehzahl, und führt der ersten Membran ca. 4,5 Liter pro Minute Meerwasser zu. Etwa knapp ein Liter wird davon als Süsswasser in den Tank abgegeben, es bleiben also noch sagen wir mal 3,6 Liter "angereichertes Abwasser" übrig, die nun innerhalb einer Minute in die zweite Membraneinheit gespeist werden können.

Da nun diese Membran deswegen nicht so effektiv arbeitet wie die erste Membran, können wir in dieser Membraneinheit vielleicht noch mit 80 % der Süsswasserproduktion im Verhältnis zur ersten Membraneinheit rechnen.

Es kämen also immerhin noch gut 0,7 Liter Süsswasser pro Minute aus dieser zweiten Membraneinheit zusätzlich heraus.

Insgesamt eine Süsswasserproduktion von 1,6 Liter pro Minute, also ca. 96 l/h.

Runden wir großzügig ab, und freuen uns über eine Süsswasserproduktion jenseits der 90 l/h. Ein enormer Ertrag, der die Laufzeiten entsprechend verkürzen würde.

 

Aber was sagt denn der Hersteller der Membrane zu dieser Idee ?

Filmtec hat ja nun alle möglichen Test gemacht und Erfahrungen mit dieser Technologie gesammelt, die wir hier nachlesen können:

 

http://www.dow.com/scripts/litorder.asp?filepath=/609-00071.pdf

 

Darin heisst es auf Seite 82 daß der Minimum Concentrate Flow,

also die kleinste "Abwassermenge" nicht geringer als 0,2 cbm/h liegen soll,

erst dann nämlich liesse eine Membran eine Lebensdauer von über drei Jahren erwarten (im Dauerbetrieb).

0,2 cbm, also 200 Liter pro Stunde, entspricht 3,333 Litern pro Minute Abwasser.

 

Nach unserer obigen Rechnung werden wir diese Menge nicht erreichen, wir liegen wahrscheinlich etwas darunter, also bei gut 3 Litern pro Minute.

Aus diesem Grund, und da wir auch keinen Dauerbetrieb unter optimalen Bedingungen gewährleisten können, wird sich höchstwahrscheinlich die Lebenserwartung der Membran verkürzen, die dann für die zweite Membran bei vielleicht zwei bis drei Jahren liegen wird, bei Süsswasserspülung nach jedem Betrieb vielleicht aber auch bei vier bis fünf Jahren, ganz genau kann man das natürlich nicht vorhersagen.

 

Fazit: 

Wer also damit leben kann, dass

1. die zweite Membran eine etwas kürzere Lebenserwartung hat, und

2. der Kärcher stets auf voller Leistung laufen muss,

für den ist das eine Möglichkeit, die Laufzeiten des Wassermachers drastisch zu reduzieren, mit der entsprechenden Energieersparnis, sei es nun aus der Batteriebank oder aus einem Stromgenerator.

 

Die Kosten dieser Aufrüstung liegen bei ca. 630,- Euro, für eine Membraneinheit,

einen weiteren Hochdruckschlauch, sowie der benötigten Fittinge.

 

Es sind mir mittlerweile 15 Anlagen bekannt, die nach diesem Muster in Betrieb genommen worden.

Die Süsswasserproduktion im Frühsommer in der Adria lag bei überraschend

hohen 95 Litern/Stunde, bei immer noch 3,5 Litern/min Brinefluss (Abwasser).

Im Hochsommer bei wärmeren Wassertemperaturen wurde die 100 Liter-Marke

oft überschritten.

Dies mit einer zweiten Vorpumpe, welche dem Kärcher 1 bar Zulaufdruck sichert.

 

Langzeiterfahrungen über viele Jahre liegen mittlerweile einige vor,

es hört sich bisher alles sehr problemlos an.

 

ich spiele jedenfalls mit dem Gedanken "aufzurüsten".....